E-Learning-Kurs erstellen: Was du wirklich brauchst, um anzufangen
„Ich würde gerne einen Online-Kurs für unser Team erstellen. Aber ich bin kein Designer, ich habe kein Studio, und ich weiß nicht, wo ich anfangen soll."
Diesen Satz höre ich oft. Dahinter steckt eine Vorstellung davon, wie E-Learning-Kurse entstehen – mit professionellen Videoproduktionen, aufwendigen Interaktionsdesigns, spezialisierten Tools. Und dann die Schlussfolgerung: Das kann ich nicht.
Die Realität ist deutlich zugänglicher. Dieser Artikel räumt auf.
#Was du wirklich brauchst – und was nicht
#Was du brauchst
Lernziel: Was soll der Lernende nach dem Kurs können oder wissen? Wenn du das nicht in einem Satz beantworten kannst, ist der Kurs noch nicht bereit, entwickelt zu werden.
Inhalt: Was weißt du schon? Welche Dokumente, Präsentationen, Handbücher existieren bereits? Für die meisten internen Kurse ist das Rohmaterial bereits vorhanden – es muss nur strukturiert werden.
Eine Plattform zum Hochladen: Das ist alles, was du technisch brauchst.
#Was du nicht brauchst
- Ein Videostudio oder Kamera-Equipment
- Articulate Storyline oder ein anderes Authoring-Tool
- Einen Instructional Designer oder externe Agentur
- Erfahrung in Grafikdesign oder Video-Editing
Für einen ersten, funktionalen Kurs reicht deutlich weniger, als die meisten denken.
#Der einfachste Weg zum ersten Kurs
#Schritt 1: Lernziel definieren
Ein Kurs, der alles abdecken will, vermittelt oft nichts. Beginne mit einer konkreten Frage: Was soll der Lernende nach diesem Kurs tun können?
Zum Beispiel: „Der Mitarbeiter kann eine DSGVO-konforme Einwilligung erkennen und von einer nicht-konformen unterscheiden." Das ist ein klares, testbares Ziel.
#Schritt 2: Bestehende Materialien sichten
Welche Dokumente, Präsentationen oder Videos existieren bereits zu diesem Thema? In den meisten Fällen gibt es internen Content, der bisher nur nicht strukturiert zugänglich ist.
Das ist das Rohmaterial. Es muss nicht neu erfunden werden – es muss aufbereitet werden.
#Schritt 3: Struktur aufbauen
Teile den Inhalt in logische Abschnitte auf: 3–5 Blöcke, jeweils mit einem klaren Unterthema. Jeder Block = eine Lerneinheit. Jede Lerneinheit = ein Lernziel.
Eine bewährte Grundstruktur: Was? (Definition/Erklärung) → Warum? (Relevanz/Konsequenz) → Wie? (Anwendung/Beispiele) → Check (Quizfrage). Das funktioniert für fast jedes Thema.
#Schritt 4: Wissensüberprüfung einbauen
Mindestens eine Quizfrage pro Abschnitt. Die Frage sollte nicht das Auswendiglernen testen, sondern die Anwendung: „Was würdest du in dieser Situation tun?" statt „Was besagt Paragraf X?"
#Schritt 5: Hochladen und starten
Mit einer modernen Plattform hochladen, Zielgruppe zuweisen, fertig. Den Kurs erst intern testen – am besten jemanden bitten, ihn durchzumachen und zu berichten, wo etwas unklar war.
#Die häufigsten Fehler beim ersten Kurs
Zu viel auf einmal: Ein Kurs über „alles zum Thema Datenschutz" ist entweder sehr lang oder sehr oberflächlich. Besser: drei kurze Kurse, die jeweils ein spezifisches Thema abdecken.
Kein Test: Ohne Wissensabfrage weiß niemand, ob der Kurs etwas bewirkt hat. Auch kurze, einfache Quizfragen helfen.
Perfektionismus: Der erste Kurs wird nicht perfekt sein. Das ist normal. Starten ist wichtiger als Perfektionieren. Du kannst immer aktualisieren.
Zu viel Text ohne Struktur: Lernende sind keine Lesende. Struktur durch Überschriften, kurze Absätze, visuelle Trennung ist keine Dekoration – sie erleichtert das Verarbeiten.
#Was danach kommt
Einen ersten Kurs erstellt, hochgeladen, von Mitarbeitern abgeschlossen. Jetzt beginnt das Lernen über den Kurs: Wo brechen Lernende ab? Welche Quizfragen werden oft falsch beantwortet? Was ist laut Feedback unklar?
Diese Daten zeigen, wo der Kurs verbessert werden kann. Gutes E-Learning ist kein einmaliges Projekt. Es ist ein Prozess.